Konzeptkünstler im Rampenlicht: Theo Prins

von David Campbell am 28. September 2012

Der Konzeptkünstler Theo Prins hat bereits überall auf der Welt gearbeitet, sich jetzt aber hier in Bellevue, im Bundesstaat Washington, bei ArenaNet niedergelassen. Ich habe mich mit einem der neuesten Mitglieder des Concept Art Teams hingesetzt, um seine einzigartige Herangehensweise an seine Arbeit mit ihm zu diskutieren.

F: Theo, du bist neu bei ArenaNet und viele Fans von Guild Wars 2 kennen dich noch nicht. Kannst du uns etwas mehr über dich erzählen?

Theo: Also, ich bin in Kalifornien zur Welt gekommen, aber im Bundesstaat Washington und in den Niederlanden aufgewachsen. Meine Karriere in der Videospielebranche begann 2007 als Konzeptkünstler für World of Darkness bei CCP Games in Island. Danach arbeitete ich für Reloaded Studios in Südkorea an einem Projekt namens „The Day“. In den letzten paar Jahren habe ich ein ziemlich nomadisches Leben geführt und war auf meinen Reisen freiberuflich tätig. Ich habe den Pazifik auf einem Containerschiff überquert, eine Weile in Hongkong gelebt und etwas Zeit damit verbracht, die Straßenmärkte, Gassen und Berge von Nepal, Indien und Vietnam zu erforschen. Und jetzt bin ich wieder hier in Washington.

Mein Schwerpunkt lag schon immer in Landschaften und Umgebungen. Als Kind verbrachte ich viel Zeit damit, kleine Landschaften aus Ton und Karton zu basteln, Miniaturwelten in Sandkästen zu bauen, navigierbare Tunnelsystem im Brombeergestrüpp zu graben und Grundrisse für Städte zu zeichnen. Ich hatte schon immer großen Spaß daran, Objekte im Raum anzuordnen und einen Sinn für Maßstäbe und Platz zu schaffen, egal ob materiell oder auf Papier. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich diese Faszination jetzt in das Universum von Guild Wars einfließen lassen kann.

F: Kannst du uns etwas über deine Technik erzählen? Ich bin neugierig, wie du diesen dynamischen Look mit sichtbaren Pinselstrichen erzeugst. Ist das alles digital?

Theo: Meine farbigen Zeichnungen entstehen in Photoshop, ich verbringe aber auch viel Zeit damit, beim Brainstorming Bleistiftskizzen anzufertigen.

Manchmal habe ich einen Geistesblitz, den ich wirklich gerne zeichnen möchte. Normalerweise sind diese Ideen so ausgeprägt, dass ich alles links liegen lasse und zu zeichnen beginne. Ich beginne mit einer kontrastreichen Skizze der Formen, Werte und Proportionen, die ich mir vorgestellt habe. Das kann anfangs ziemlich abstrakt aussehen, das Ziel besteht aber darin, die Atmosphäre der ursprünglichen Idee einzufangen. Danach fange ich damit an, wie wild schichtenweise Pinselstriche aufzutragen und Textur zu schaffen. Gleichzeitig beginnen mögliche Details und Farb-Zusammenhänge in den Texturen vor meinem inneren Auge Gestalt anzunehmen.

Die ursprüngliche Skizze ist häufig nichts weiter als ein erster Schritt. Wenn sich anschließend neue Ideen entwickeln, die mir gefallen, habe ich kein Probleme damit große Änderungen durchzuführen, die mich in eine völlig neue Richtung lenken. Der gesamte Vorgang befindet sich im Fluss, einerseits setze ich Details bewusst, andererseits lasse ich mich von meinen Impulsen leiten und so bewege ich mich ständig zwischen diesen beiden Seiten hin und her. Der Drang Details zu ändern oder hinzuzufügen hört schließlich auf und von diesem Punkt an betrachte ich die Zeichnung als fertig.

F: Etwas, was ich an deiner Arbeit mag, ist dein selbstbewusster Einsatz von einfachen Farben und Formen, um Raumgefühl und dramatischen Effekt zu verleihen – wie in „Cairo“ (unten). Wie gelingt dir das?

Theo: Bei diesem Bild musste ich viele Texturen und Details von kleinen Behausungen einbauen, es fühlte sich aber zu chaotisch an. Die Anordnung der Details nahm keine zufriedenstellende Form an. Ich überarbeitete einen großen Teil der Struktur dieser Stadt mit einem großen Pinsel und mit groben matten Strichen verbarg ich einen Teil des Gefüges, während ich kleine Details durch die Risse blicken ließ. Es war wichtig, einen gefälligeren Zusammenhang zwischen den großen einfachen Formen, aus denen sich die Anordnung zusammensetzt, und den kleineren, komplexeren Strukturelementen herzustellen. In letzter Zeit versuche ich diesem Zusammenhang in meinen Bildern mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

F: Viele Konzeptkünstler, vor allem in SciFi, versuchen sich an einem realistischen Look, mit extrem detaillierten Werken. Glaubst du, ein etwas impressionistischerer Ansatz hat Vorteile? Zwingt er den Betrachter dazu, dem Künstler auf halbem Weg entgegenzukommen und die Leere mit seiner eigenen Vorstellungskraft auszufüllen?

Theo: Meiner Meinung nach können angedeutete Details oder sogar willkürlich gesetzte Strukturen unseren Verstand überlisten und wir können beim Betrachten plötzlich Konturen und Formen erkennen. Ich denke, dass diese Herangehensweise zu einem reichhaltigeren und lebhafteren Einblick in das Bild und die darin enthaltene Welt führt, als wenn zuvor alles vollständig ausdefiniert wurde. Da unser Verstand eine aktivere Rolle bei der Interpretation der Geschehensabläufe im Bild spielt, bleibt ein einzigartiger Eindruck der Stimmungslage zurück und nicht nur ein handfestes logisches Verständnis von dem was wir betrachten. Aus diesem Grund gestalte ich meine Gemälde locker und strukturell.

F: Du hast die Welt bereist und eine Vielzahl verschiedener Kulturen und Umgebungen erlebt. Wie beeinflussen deine Reisen deine Kunst?

Theo: Als ich 2008 in Seoul lebte, fing meine Faszination mit asiatischen Metropolen an, die dazu geführt hat, dass ich seitdem immer wieder die Umrisse von großen grauen Wohnblöcken, Überführungen und Straßenmärkten zeichne. Ich setze mich tief damit auseinander und kehre deshalb auch immer wieder nach Asien zurück. Alle Zeichnungen, die ich angefertigt habe, scheinen Teile derselben gewaltigen Stadtlandschaft zu sein. Man könnte also sagen, dass ich ganz eindeutig von einem Ort, den ich besucht habe, beeinflusst wurde.

Die Einflüsse sind allerdings nicht immer so offensichtlich. Ob mich die Erfahrungen einer Reise beeinflusst haben, stellt sich meist erst später heraus und oft sind die Ergebnisse sehr subtil. Ich lasse es ganz natürlich geschehen. Zum Beispiel laufe ich normalerweise durch eine Stadt, sehe mir die verschiedenen Stadtteile an und vertraue einfach darauf, dass ich das, was ich erlebe, irgendwie aufnehme und in meine Kunst einbinde.